Ausnahmeerscheinung: Susi Menda holt 5. EM-Gold

Sie ist eine Frau. Sie feiert nächstes Jahr ihren 60. Geburtstag. Und sie ist seit 18. Juni 5-fache Europameisterin im Olympischen Gewichtheben. Eine seltene Kombination. Und auch wenn sie dafür viel Eisen stemmen muss – zum „alten Eisen“ gehört die sportliche Ausnahmeerscheinung Susanne Menda noch lange nicht…

„Ich bewundere jedes Mädchen, das sich diesen anspruchsvollen Sport zutraut.“, meint sie bescheiden nach ihrer erfolgreichen Titelverteidigung. Vielleicht auch mit ein bisschen Wehmut. Denn Gewichtheben boomt gerade unter den jungen Frauen – sie selbst fand aber erst im Alter von 36 Jahren zum Hanteltraining. Ihre Kinder trainierten bei Altmeister Leopold Höller (Tochter Silvia wurde 1996 Jugend-Europameisterin). Und lächelten milde, als sie selbst ihre ersten Gehversuche mit der Langhantel unternahm. Doch ihr gefielen die komplexen und ganzkörperlichen Übungen. Ihr gefiel es, dem „starken Geschlecht“ zu beweisen, dass auch Frauen beachtliche Gewichte zur Hochstrecke bringen können.

 

Ihr Fleiß wurde schon bald belohnt. Nach nur zwei Jahren gewann sie ihren erstes Europameisterschafts-Gold. Dann holte sie der familiäre und berufliche Alltag ein. Eine 16-jährige Pause folgte. Doch wer einmal den Eisen-Virus in sich trägt, wird ihn nicht mehr los. Susanne kehrte 2013 zurück und trainierte sich innerhalb kürzester Zeit wieder auf internationales Top-Niveau. 2014 folgte der 2. EM-Titel, 2015 gelang ihr sogar das Double: WM- und EM-Gold. 2016 wurde sie dann Vizeweltmeisterin, 2017 erneut Europameisterin.

 

Was aber treibt eine gestandene Frau im besten Alter, regelmäßig hart zu trainieren und sich an Spitzenleistungen zu orientieren? „Für mich ist das Training ein Ausgleich zu meinem oft stressigen und anstrengenden Job. Es hält mich fit, und außerdem freue ich mich immer noch über jede erkämpfte Medaille!“

 

So überragend ihre Erfolgsbilanz auch ist, es wäre sogar noch mehr möglich, wenn da nicht die oft teuren Reise- und Aufenthaltskosten wären, die das private wie das Vereinsbudget einfach überschreiten. „Es wäre natürlich schön, wenn Sponsoren auch den Masters-Sport wertschätzen und fördern würden, schließlich kennt Kraft kein Alter – und sportlicher wie wirtschaftlicher Erfolg auch nicht.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.

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